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"Hochwertige Verarbeitung und Funktionalität vereinen sich in individueller Schönheit."
(Ulrich Müther)

Der Sachverständige als Berater

Ulrich Müther ist seit 2013 Vorsitzender des Sachverständigenausschusses. Im Gespräch in der "Perspektiven - 03.15 des Tischlerverbandes" erläutert er, wie sich die Rollen des Sachverständigen wandelt und warum umfassende technische Kenntnisse dafür nicht ausreichen. Anbei das Original - Interview in voller Länge:

16.03.2015
Sachverständige haben bei vielen Tischlern nicht immer den besten Ruf. Woher kommt das?
Der Sachverständige gilt vielen Betriebsinhabern immer noch als Buhmann, der große Kosten verursacht und Gutachten erstellt, in denen es dann heißt, dass der Betrieb nicht richtig gearbeitet hat. Diese Sichtweise sollte der Vergangenheit angehören, denn die Rolle des Sachverständigen hat sich gewandelt. Seine Aufgabe ist es in vielen Fällen, einen Konflikt außergerichtlich zu klären und die beiden Parteien zu einer Lösung zu bringen, mit der beide einverstanden sind. Streitfälle müssen nicht immer vor Gericht gehen. Man kann sich auch anders - und kostengünstiger - einigen.

Welche Alternativen Verfahren gibt es?

Heute Wollen viele Verbraucher einen Streit vor Gericht umgehen. Eine außergerichtliche Möglichkeit sich zu einigen, ist das Schiedsverfahren, das auch Sachverständige durchführen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass eine Lösung vorgegeben wird, ohne dass die eigentlichen Konfliktursache zur Sprache gekommen ist. Denn oft steckt noch eine ganz andere Geschichte hinter einem Streit: Es geht dann eigentlich gar nicht um den Riss in der Wand, sondern darum, dass der eine den anderen am Telefon beleidigt hat. Würde man sich nur um eine finanzielle Widergutmachung kümmern, wäre das eigentliche Problem, das dahinterliegt, nicht gelöst. Das kann beispielsweise mit einer Mediation eher gelingen.

Welche Möglichkeiten bietet die Mediation?

Es geht darum, durch spezielle Fragetechniken herauszufinden, um was es in einem Streit wirklich geht. Der Mediator unterstützt die Parteien darin, auf der Grundlage ihrer unterschiedlchen Sichtweisen, Bedürfnisse und Interessen sich selbst und die anderen Konfliktpartner besser zu verstehen. Der Mediator vermittelt zwischen den beiden Parteien und hilft ihnen eine Regelung zu finden, die beide als fair empfinden. Und manchmal reicht dann am Ende die Entschuldigung, dass man den anderen am Telefon beleidigt hat, um den Könflikt zu lösen. Ich empfehle jedem Sachverständigen eine solche Zusatzausbildung zu absolvieren.

Gibt es Möglichkeiten, solche Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen?
Wenn die Betriebe selbst nicht weiterkommen oder bei einem Auftrag unsicher sind, ist es manchmal besser, frühzeitig einen Sachverständigen hinzuzuziehen, um auf der sicheren Seite zu sein. Wobei es sinnvoll ist, als erstes mit dem technischen Berater des Fachverbandes, Franz-Josef Wiegers, Kontakt aufzunehmen. Am Markt gibt es ja immer wieder neue Verarbeitungstechniken und die Konstruktionen werden immer komplizierter. Da kann ein Betriebsinhaber gar nicht immer auf dem neuesten Stand sein. Herr Wiegers, der auch für den Sachverständigenausschuss zuständig ist, hilft gerne dabei, einen Experten zu vermitteln.

Was genau macht der Sachverständigenausschuss?
Der Fachverband Tischler NRW kann wirklich stolz darauf sein, so einen kompetenten und hochmotivierten Sachverständigenausschuss zu besitzen. Der Ausschuss organisiert die Prüfungen, in denen der Sachverständige seine Eignung beweisen muss. Wir halten Kontakt zur Handwerkskammer und suchen kompetente Referenten für die Weiterbildungen aus. Es geht darum, das zu filtern, was neu auf dem Markt ist und relevante Informationen weiterzugeben. Wir vermitteln aber nicht nur technisches Wissen. Wir laden beispielsweise auch immer wieder Richter ein, um deren Denkweise noch besser kennenzulernen. Außerdem unterstützen wir die jungen Sachverständigen mit Mentoren. Ein ganz wichtiger Punkt wird noch die Richtlinienarbeit werden. Thomas Radermacher, der auch Mitglied des geschäftsführenden Verbandsvorstandes ist, hat dies bereits auf Bundesebene eingeleitet. Denn es kann nicht sein, dass für unser Arbeitsgebiet Normen und Vorschriften von fachfremden Entscheidern gemacht werden. Die Fremdbestimmung muss eine Ende haben.

Welche Voraussetzungen müssen Tischler mitbringen, um Sachverständige zu werden?

Neben der fachlichen Qualifikation ist es für jeden Sachverständigen wichtig, dass er seine kummunikative und soziale Kompetenz ausbaut. Denn er muss nicht nur die fachlichen Zusammenhänge erläutern und für einen Laien nachvollziehbar darstellen können, sondern möglichst auch den entstandenen Konflikt in der jeweiligen Eskalationsstufe erkennen. Das funktioniert nicht bei einem Gesprächsverhalten, das der Selbstdarstellung dient - etwa, indem man lange Monologe hält. Genau zuhören können, konfliktarm verhandeln, Gespräche partnerzentriert führen, systematisch argumentieren, einen Gesprächsleitfaden parat haben - das sind die geeigneten Instrumente, um kritische Sitautionen angemessen zu erfassen und zu meistern.






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